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Führung der Millenial-Generation 21.10.2014

Artikel aus: Geo Wissen - Autor: Hanne Tügel

Die Arbeitswelt verändert sich, die Grenzen zwischen Erwerbsarbeit und Freizeit zerfließen. Praktikum folgt auf Praktikum. Jeder Vierte arbeitet inzwischen am Samstag oder Sonntag, jeder Sechste im Schichtdienst. Projektarbeit ersetzt Daueranstellungen.

Damit stellen sich für die jüngere Generation, der "Millenials", die um das Jahr 2000 erwachsen geworden sind, Sinn-Fragen neu.

"Die Jungen sind gewohnt, sich ständig zwischen neuen Optionen zu entscheiden" erklärt Theo Wehner, der Arbeitspsychologe. Wer mit Anfang 20 schon Hunderttausende E-Mails, SMS oder Instant Messages erhalten hat, musste eines lernen: dauernd zu hinterfragen, was im Augenblick für ihn oder sie wichtig ist. Und ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen.

Das hat Folgen. Die Millenial-Generation "stellt Hierarchien, Autoritäten und Status in Frage und die Führungskultur vieler Unternehmen auf den Prüfstand" - konstatiert die Deutsche Gesellschaft für Personalführung in einem Papier, das wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus verschiedenen Branchen zusammenfasst. Für viele in der "neuen Talent-Generation" gehe es um den Sinn der Arbeit, um Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und mehr Zeit für Familie und Freizeit. Theo Wehner bestätigt das: "Lieber 5000 Franken oder Euro weniger im Jahr, dafür ein Büro, in das man radeln kann. Elternzeit statt Überstunden."

Ist das Flucht vor der Leistung? Ein Wertewandel? Die Abrechung mit der Arbeitsethik der Väter, die sich oft damit brüsteten, mehr als 60 Stunden pro Woche zu arbeiten? Vermutlich von allem etwas. Oder wie es der Dalai Lama in seinem Buch "The Art of Happiness at Work" schreibt: Arbeit bedeute, "sich um sich selbst zu kümmern". 

Das ist etwas völlig anderes als die viel beschworene Work-Life-Balance. Der Begriff ist so populär wie absurd. Er suggeriert, dass Arbeit nicht zum "eigentlichen" Leben gehört; dabei ist sie eine tragende Säule für Zufriedenheit und Glück. Besser als das Wort "Balance" wäre daher "Harmonie"; gute Arbeit in einem guten Leben. Sinn inklusive.

Ein neues Instrument hilft zu beurteilen, wie stark diese Selbstfürsorge im eigenen Alltag gelingt: das "Work and Meaning Inventory". Entwickelt hat es der US-Psychologe Michael Steger. WAMI-Kandidaten bewerten zehn Aussagen auf einer Skala von eins bis fünf. Etwa: "Ich weiß, dass meine Arbeit zu meinem persönlichen Wachstum beiträgt."

Die meisten Sätze klingen, als habe der Dalai Lama die Feder geführt. In der Forschung sollen sie helfen, subjektive Einschätzungen des Arbeits-Sinns vergleichbar zu machen. Darüber hinaus inspirieren sie zu einem Blick nach innen: Bin ich weit von dem entfernt, was ich eigentlich will? 

Und falls ja: Welche Spielräume gibt es, die ich nutzen könnte?

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