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Führungskraft zu sein, wird immer unbequemer 18.11.2014

Artikel aus Harvard Business Manager - Autoren: Georg Vielmetter und Yvonne Sell.

Führung: Manager müssen sich mit der Tatsache arrangieren, dass die Grenzen zwischen Berufsleben und Privatsphäre immer mehr verschwimmen. Das erfordert neue Fähigkeiten. Große Egos sind nicht mehr gefragt.

Früher kannten die Mitarbeiter nur Ihren Namen, Ihr Gesicht und Ihre geschäftliche Reputation. Heute wissen sie auch über Ihr Gehalt, Ihre Heimatstadt, Ihre Kontakte bei LinkedIn und den Wert Ihres Hauses Bescheid. Sie haben mehr Informationen über Sie in Ihrer Funktion als Manager als je zuvor, und Sie stehen unter dem Druck, Ihnen mehr als je zuvor über sich verraten zu müssen - 76% aller Manager weltweit finden es zum Beispiel gut, wenn ihr CEO in den sozialen Medien vertreten ist. Aber diese zunehmende Transparenz ist nicht das Einzige, was sich verändert hat. Inzwischen werden Sie auch für Bereiche verantwortlich gemacht, von denen Sie nicht viel Ahnung haben: neue Technologien, neue Märkte, neue Kulturen und geografische Regionen, die zu neuen Stakeholdern Ihres Unternehmens werden. Kein Wunder, dass die Amtszeit der CEOs immer kürzer wird.

Gute Führungskräfte hatten schon immer den Mut, sich aus ihrer Komfortzone herauszuwagen. Doch inzwischen setzen konvergierende globale Megatrends unsere heutigen Topmanager viel stärker unter Druck: Sie müssen sich in einer immer schnelllebigeren, komplexeren, stärker integrierten und transparenteren Geschäftswelt zurechtfinden.

In unserem vor kurzem erschienenen Buch "Leadership 2030: The six megatrends you need to understand to lead your company into the future" untersuchen wir die Auswirkungen des Zusammentreffens wichtiger Faktoren wie Globalisierung, Klimawandel, stärkerem Individualismus und immer schnellerer Digitalisierung.

Unter anderem haben wir dabei festgestellt, dass Führungspositionen in Zukunft immer unbequemer sein werden - sowohl auf persönlicher als auch auf geschäftlicher Ebene. Führungskräfte müssen sich mit der Tatsache arrangieren, dass die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben immer mehr verschwimmen - und sie müssen neue Beziehungen zu Konkurrenten und Mitarbeitern aufbauen. Das wiederum erfordert neue Fähigkeiten und ein neues Denken. Egos sind nicht mehr gefragt.

Schon allein unsere moderne Technologie macht Topmanagern das Leben auf vielerlei Weise unbequem. Sie werden in zunehmendem Maße gezwungen sein, neue Technologien zu beurteilen und zu implementieren, die sie nicht immer verstehen und auch nicht unter Kontrolle haben. Das fängt bei den Kostenvorteilen der Datenautomatisierung an und geht mit der schwierigen Gratwanderung weiter, einen vernünftigen Kompromiss zwischen der Sorge der Konsumenten um ihre Privatsphäre und den modernen Data-Mining-Möglichkeiten zu finden. Auch der kommerzielle Wert von Bitcoin and anderen innovativen Konzepten muss richtig eingeschätzt werden. Da verbindende Technologien und virtuelle Arbeitsplätze die Interaktionen zwischen den Menschen verändern, müssen Führungskräfte über neue Medien kulturen- und funktionsübergreifend mit ihren Mitarbeitern in Kontakt treten. Sie müssen lernen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden, auch wenn ihnen die digitalen Kenntnisse dazu fehlen.Durch das Zusammentreffen von Digitalisierung, Globalisierung und der Nachfrage der Konsumenten nach personalisierten Produkten werden die bisher üblichen Abläufe und Beziehungen komplizierter. Konkurrenten werden zu Verbündeten, da rivalisierende Unternehmen zusammenarbeiten müssen, um komplexere technische Innovationen bewältigen zu können. Für eine solche "Konkoperation" müssen Manager eine zweifache Perspektive einnehmen: Sie müssen ihre Rivalen gleichzeitig als wichtige Partner und als geschäftliche Bedrohung sehen - und das ist gar nicht so einfach.

Quelle: Harvard Business Manager - Autoren: Georg Vielmetter und Yvonne Sell, erschienen am 29. Oktober 2014

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